Archiv für Oktober 2006

Was ist jetzt mit eurer Party?

„Bei Krawallen am Rande von drei unterklassigen Spielen gab es mehr als 80 Verletzte, mehr als 40 Personen wurden festgenommen.“

SZ

Fußball als Ventil verborgenen Nationalismus im Gewand eines Blümchennationalismus – geschenkt.
Die herrschende Meinung, diese big party sei endlich nationale Normalität und damit gut – unbezahlbar dämlich.
Torpedos für euren unbeschwerten Fußballsommer:
Bang Bang Bang ratatatatattat!!!!!!!!!!
Was bleibt? Fanfeste gibts immer noch. Nur anders.
Bis 2008 habt ihr Zeit, damit die Feste wieder schrill, hip und freundlich werden.
Dynamo Dresden Fans will doch niemand sehen. Nehmt die Fahnen in die Hand, schwenkt sie, jubelt, fahrt nach Österreich (ist ja nicht weit) und schreit. Schreit bis eure Kehlen platzen. Brüllt „Sieg – Sieg – Sieg“ „Deutschland – Deutschlaaaanndd“.
Bloß diesmal wird Österreich nicht mitmachen. Und die Schweiz war eh schon immer neutral. Viel Erfolg beim Imageaufpolieren, ihr Fans.

Hohle Phrasen – Hole Phrases II

Das Wired Magazine bat einige Autoren, in Anlehnung an Hemingway´s „6-word-short-story“, sich doch bitte auch mal an diesem Genre zu versuchen.
Hier kann man die Ergebnisse finden. Mein Favorit ist der einzige Regelbrecher.
Arthur C. Clarke:

„God said, ‚Cancel Program GENESIS.‘ The universe ceased to exist.“

Hohle Phrasen – Hole Phrases !

Cassidy – The Problem vs. the Hustla

You were crazy man – with the punchline flow/
but now you´re the ladies´ man – where the punchlines go, yo!

Herzlichen Glückwunsch zur Frisur.

Foto von Jumini

Pressefreiheit unter dem Banner des kulturellen Relativismus

Der Bericht über die Pressefreiheit ist mittlerweile wohl jedem hinlänglich bekannt.
Dass die EU versucht, sich über gemeinsame Werte zu definieren, ist ebenso bekannt. Freie Berichterstattung ist ohne Zweifel einer der wesentlichen Werte freiheitlich organisierter politischer Ordnungen.
Polen befindet sich auf Platz 58 der Pressefreiheitsskala und belegt damit den schlechtesten Platz der EU-Mitgliedsländer. Man würde sich flammende Aufrufe polnischer Journalisten für die Pressefreiheit wünschen, aber Krystyna Mokrosinska, ihres Zeichens Vorsitzende des Polnischen Journalistenverbandes SDP, hat eine eigene Meinung:

„Das ist eine subjektive Bewertung von Menschen, die eine andere, liberalere Einstellung zur Freiheit des Wortes. Diese sehr liberale Einstellung berücksichtigt nicht, dass Freiheit durch die Freiheit anderer Menschen begrenzt ist… Ich glaube, dass man sich in die inneren Angelegenheiten eines Landes nicht einmischen darf, und eben das machen die ‚Reporter ohne Grenzen‘. Ich achte diese Organisation sehr, und in vielen Fällen bin ich mit ihr einer Meinung. Ich denke aber, dass jedes Land das Recht auf seine spezifische Art, auf seine Kultur hat.“

(via: eurotopics)

Dem Fatalismus ist mit so einer Begründung jedenfalls Tür und Tor geöffnet….

Für Informationsfreiheit.

Eye Terror

Wem Alkohol im Auge zu sehr brennt, sollte zur Pfeife greifen

Mythos Kahn

Was ich schon hier wusste, hat nun auch die TAZ festgestellt. Kahn wird überschätzt.

VirusPod

Apple1 verwendet also virenverseuchte Windowsrechner um die Software auf den iPod zu klatschen. Wenn man nach Hause kommt und den iPod synchronisieren will, holt man sich erstmal nen Virus, arghs.
Gibt sicher glücklichere Menschen.

„Schuld an der Misere ist offenbar ein ungenannt bleibender Dritthersteller, der in der Fertigungsstrasse einen verseuchten Windows-Rechner eingesetzt haben soll. Der verteilte Wurm, je nach Antiviren-Hersteller-Nomenklatur W32/RJump oder RavMonE.exe, ist für Mac-Anwender und den iPod selber unschädlich. Unter Windows verteilt er sich selber weiter und kann auch Schäden anrichten.“

Ist wohl zu vergleichen mit dem Schock eines Kindes, das zu Weihnachten eine defekte Videospielkonsole geschenkt bekommt und an den beiden Feiertagen zum weinen gezwungen ist.
Trotzdem sieht der rote iPod nano verdammt cool aus.

Quelle: infoweek.ch
Photo: La Ignorancia Mata @ Flickr

  1. Oder Dritthersteller [zurück]

Peace ?

Nachdem der Irakkrieg die Bewerberzahlen der US-Army maßgeblich geschmälert hat, sollte man sich mal neue Werbeoffensiven einfallen lassen.
Es ist ja kein Geheimnis, dass Drogenkonsum den Funfaktor im Gefecht erheblich steigert.

Wie potent die Pflanzen sind, erfuhren auch die kanadischen Truppen. Beim Verbrennen schon ausgedörrter, inzwischen braun gewordener Cannabis-Riesen atmeten Soldaten, die in Windrichtung standen, den Qualm ein. „Das war ganz offenkundig nicht die richtige Maßnahme,“ gibt nun sogar General Hillier zu.

Noch einige zweitklassige Werbeslogans:
„Kommen sie zur Army – da knallts richtig“
„Weed wants you for US Army“
„Bring Peace to the world“
via: spon

Der Mythos des überragenden Kahns

Oliver Kahn war gestern keinesfalls so gut wie er gemacht wird. Sporting Lissabon hatte fünf Torschüsse, darunter kein einziger unhaltbar. Symptomatisch für die Überhöhung Kahns, ist das Zitat des Premiere-Kommentators als Kahn beim Torabschlag Zeit schindet: „Da lässt er sich Zeit – kein Wunder bei all seiner Klasse“.

Lyrik aus der Unterschicht (oder besser Prekariat?)

Ein wunderbares Gedicht von Houellebecq zur gesellschaftspolitisch interessanten Diskussion.

Houellebecq – Arbeitslosigkeit (1996)

Ich durchquere die Stadt, von der ich nichts mehr erwarte
Inmitten stets neuer Menschenwesen
Ich kenne sie auswendig, diese Hochbahnstrecke;
Tage vergehen, ohne dass ich reden kann.

Oh! diese Nachmittage bei der Heimkehr vom Nichtsun
Mit Gedanken an die Miete, ein griesgrämiges Grübeln,
Es hat keinen Zweck, nicht zu leben, man kommt doch in die Jahre
Und nichts verändert sich, kein bisschen, weder der Sommer – noch die Dinge

Nach ein paar Monaten endet der Anspruch auf Arbeitslosengeld
Und der Herbst kommt wieder, schleichend wie Wundbrand;
Das Geld wird zum einzigen Gedanken, zum einzigen Gesetz,
Man ist wirklich ganz allein. und man schleppt sich hin – schleppt sich hin….

Die anderen fahren fort in ihrem Daseinstanz,
Sie sind geschützt mit einer durchsichtigen Wand;
Der Winter ist zurück. Deren Leben scheint wirklich.
Vielleicht wartet auf sie die Zukunft irgendwo.