Lyrik aus der Unterschicht (oder besser Prekariat?)

Ein wunderbares Gedicht von Houellebecq zur gesellschaftspolitisch interessanten Diskussion.

Houellebecq – Arbeitslosigkeit (1996)

Ich durchquere die Stadt, von der ich nichts mehr erwarte
Inmitten stets neuer Menschenwesen
Ich kenne sie auswendig, diese Hochbahnstrecke;
Tage vergehen, ohne dass ich reden kann.

Oh! diese Nachmittage bei der Heimkehr vom Nichtsun
Mit Gedanken an die Miete, ein griesgrämiges Grübeln,
Es hat keinen Zweck, nicht zu leben, man kommt doch in die Jahre
Und nichts verändert sich, kein bisschen, weder der Sommer – noch die Dinge

Nach ein paar Monaten endet der Anspruch auf Arbeitslosengeld
Und der Herbst kommt wieder, schleichend wie Wundbrand;
Das Geld wird zum einzigen Gedanken, zum einzigen Gesetz,
Man ist wirklich ganz allein. und man schleppt sich hin – schleppt sich hin….

Die anderen fahren fort in ihrem Daseinstanz,
Sie sind geschützt mit einer durchsichtigen Wand;
Der Winter ist zurück. Deren Leben scheint wirklich.
Vielleicht wartet auf sie die Zukunft irgendwo.